Die Ära der Beliebigkeit

Autobahn Ich weiß noch, wie ich als Kind gerne nachts im Auto mitgefahren bin, die Marken und Typen der anderen Autos auf der Autobahn anhand der Rücklichter geraten habe. Und die Trefferquote war hoch, weil es Markensprachen gab. Schwer zu beschreiben, aber man hat die Wagen anhand der Form und der Position der Lichter erkennen können.

Heute? Belangloses Einerlei. Was das ein BMW? Ein Mercedes? Irgendwas aus Asien. Völlig egal, alles ähnlich. Warum? Weil jeder Autohersteller jede Kundengruppe bedienen will. Weil es von jeder Marke praktisch alles gibt. Weil sich niemand traut, mal nicht zu passen. Die aktuell positive Ausnahme ist Hyundai - die trauen sich was in Sachen Design (https://www.hyundai.com/worldwide/en/company/innovation/design). Ansonsten ist da keine Unterscheidung mehr, da ist nur noch Beliebigkeit.

Oder letztens wieder einmal Fußball geschaut. Weiß gar nicht mehr, welche Spiele das so waren. Club WM, Nations League, Champions League, Conference League, Europe League, die WM wird eventuell auf 64 Teams (48 ist bereits beschlossen) erweitert ..... welche Bedeutung hat ein Spiel dann noch? Worum geht es eigentlich? Wie beliebig ist das Ergebnis? Es geht um den Umsatz, die Werbeverträge, nicht mehr um den Sport. Ich weiß nicht mal mehr, welcher Kanal im Fernsehen gerade was überträgt, weil es eigentlich irrelevant ist. Beliebig.

Früher (tm) gab es deutlich weniger und es war immer ein Ereignis, mit seiner Mannschaft mitzufiebern, weil man wusste, um was es ging.

Computerspiele - ich kannte die Release-Daten der Spiele im Regelfall aus den entsprechenden Zeitschriften. Weil es eine Handvoll pro Jahr waren. Man hat sich darauf gefreut. Und wenn man es dann hatte und spielen konnte, dann ging das ein paar Monate so - weil es eben das Spiel des Moments war.

Heute kommen tausende Spiele pro Jahr auf den Markt, 2023 alleine ca. 14.000 neue Spiele auf der bekanntesten Plattform Steam (https://www.golem.de/news/pc-gaming-2023-sind-rund-14-000-spiele-auf-steam-erschienen-2401-180847.html). Ein großer Teil davon sind Remakes, Fortsetzungen, Abwandlungen bekannter Spielprinzipien. Innovation in den meisten Fällen Fehlanzeige. Spiele sind beliebig geworden, es geht um den Umsatz, nicht das einzelne Spiel.

Und wie ist das mit Deinen Produkten? Wie sieht Dein Zielmarkt aus? Und viel wichtiger: wer ist NICHT Deine Zielgruppe? Traust Du Dich, eine bewusste Abgrenzung zu betreiben und darüber die Identität Deiner Marke zu definieren? Hat Dein Unternehmen eine Nische, die es erfolgreich seit Jahren bedient und in der es als Kompetenz angesehen wird? Oder ist es ein me-too-Produkt, das jedem anderen in diesem Markt ähnelt. Was ist Dein unique selling point (USP)? Warum sollten die Menschen exakt dieses Produkt kaufen wollen?

Vielleicht sollte das wieder unser Unternehmensziel sein: Gute Produkte mit Ecken und Kanten entwickeln, die so einen hohen Wiedererkennungswert haben, dass Kunden sie bewusst kaufen und auch anderen empfehlen können.