Heute ist es dann soweit, der erste #diday ist ausgerufen. Ein Tag, um den ersten in einer Reihe Schritte zu unternehmen, um seine eigene Abhängigkeit (und damit in Summe die von vielen) von (US)-BigTech-Unternehmen voranzutreiben. Jeden ersten Sonntag im Monat bewusst eine Software, eine Plattform, ein Produkt wählen und idealerweise zu einem europäischen oder kleineren Anbieter wechseln. Damit entsteht nach und nach eine Welle, die andere mitnimmt, die sich aufgrund von Netzwerkeffekten ("aber alle meine Bekannten sind doch noch bei X") noch nicht trauen oder können.
Im Grundsatz eine echt gute Idee, da man damit eigentlich den ideologischen Diskussionen ausweichen kann, die solche moves in der Vergangenheit eher schwierig gemacht haben. Also Dinge der Art "na wenn Du schon wechselst, dann musst Du aber auch das noch tun". Und naja, wie soll ich es sagen, the flamewars are back.
Man sieht es bspw. bei Lilith Wittman (die ich im übrigen sonst sehr schätze). Es wird über die Initiative hergezogen, aber eine wirkliche Alternative auch nicht genannt. Lieber wird digitale Hoffnungslosigkeit verbreitet ohne einen besseren Weg zu artikulieren. Oder auch Malte Engeler in diesem Post. Wenn Du nicht zu 100% dabei bist, dann hast Du kein Recht, was zu unternehmen. Und andere, die darauf hinweisen, dass es doch nichts hilft, wenn ein kleiner Lurch in Deutschland sein X-Konto schließt oder Spotify nicht mehr abonniert.
Aber genau darum geht es eben nicht, sondern darum, dass jeder - auch technisch nicht besonders begabte oder interessierte - einen Grund finden kann, bewusst technologische Entscheidungen zu treffen und es leichter gemacht werden soll, dies auch zu tun. Und wenn man dann damit "angibt", die Hashtags #didit, #diday, #dutgemacht verwendet, dann hat das auf einmal publicity. Und es wird nachgemacht.
Weiterhin gibt es viele Gründe zu wechseln, nicht nur der ideologische US-Tech-Stoppen (obwohl der sehr gut ist).
- Man kann Geld sparen, wenn man spotify nicht mehr abonniert, oder mal nachrechnet, ob sich das amazon prime Konto eigentlich noch lohnt (sind übrigens aktuell 89,90 € im Jahr, das sind einige Pakete), wenn man dort nur selten bestellt.
- Oder man kann lernen, Dinge selbst zu machen. Ganz verrückte neue Skills lernen, wie self-hosting.
- Oder man beschließt, dass man sein Geld doch gerne ausgibt, aber vielleicht lieber in Europa bei einem Datenschutz-freundlichen email-Dienst oder hoster.
- Und eigentlich nerven die WhatsApp-Elterngruppen eh genug, dass man lieber zu Signal oder Threema geht.
- Oder die Enshittification von Facebook, Microsoft, Google, Meta und wie sie alle heißen geht einem dermaßen auf den Zeiger, dass man alleine deswegen lieber wechselt.
- oder man findet noch einen anderen Grund es zu tun ....
Und ganz eventuell passiert dann vielleicht so etwas verrücktes, wie bei der Solarwende. Alle finden Ausreden und einige machen es einfach. Und erzählen davon, wie sie damit Geld sparen. Oder was die Chinesen inzwischen machen.
Und weil die persönliche Erfahrung auch immer ein Teil davon ist ...
- Die Rechner privat und beruflich laufen seit Jahren auf openSUSE Linux, auch der Gaming-PC
- Signal ist der Messenger der Wahl
- Filehosting liegt in den Niederlanden auf einer Nextcloud, genau wie der Kalender und nicht mehr bei Google
- Emails liegen in Deutschland und nutzt eine eigene .de-Domain und nicht mehr bei Google
- Webhosting bei einem deutschen Anbieter (schon immer)
- Paypal ist abgeschafft (ich hoffe noch auf Wero, aber es geht aktuell noch anders)
- Keine Bücher mehr mit Kindle/amazon
Und trotzdem ist noch viel zu tun .... aber wenn man immer abwartet, bis andere anfangen, dann wartet man halt einfach.