
Aktuell findet das jährliche Treffen von Weltbank und Internationalem Währungsfond (IWF) in den USA statt und der Tenor ist grimmig: Die aktuelle Weltlage führt zu einer selbstverursachten wirtschaftlichen Stagnation, die es in diesem Ausmaße selten gegeben hat.
Die Politik der USA (bzw. von Präsident Trump), die daraus resultierenden neuen Zollkriege weltweit, dazu die Konflikte in der Ukraine und in Israel (wobei es ja nicht die einzigen bewaffneten Auseinandersetzungen sind, alles andere ist nur weiter weg und scheint die Ressourcengier und die Lieferketten westlicher Staaten weniger zu beeinflussen). KI erzeugt Arbeitsplatzunsicherheit, obwohl die tatsächliche Arbeitsersparnis vielleicht gar nicht so immens ist. Die tatsächliche wirtschaftliche Kraft einiger Unternehmen ist völlig entkoppelt von ihren irrationalen Bewertungen an den Börsen. Und die wesentlich schnellere Vernetzung der Welt (Internet und so) führt zu einer Multiplikation dieser Faktoren, weil viel schneller viel mehr Menschen von diesen Katastrophen erfahren.
Das Resultat - Unsicherheit. Und Wirtschaft mag Unsicherheit nicht. So gar nicht.
BANI - Brittle, Anxious, Nonlinear, Incomprehensible
Das ist das Akronym, das gerne für diese Situation verwendet wird: brittle = brüchig. So 1:1 kann man es nicht ins Deutsche übersetzen. Etwas sieht stabil aus, aber fällt bei Druck in sich zusammen. Wie Unternehmen, die plötzlich insolvent gehen. anxious = ängstlich, besorgt. So sehen viele Menschen die Situation. Privat und auch im beruflichen Kontext. nonlinear = nicht-linear. Es gibt kein "Auf A folgt B", sondern man springt oft direkt zu D. incomprehensible = unverständlich. Das ist das Gefühl, was erzeugt wird. Keine direkten Zusammenhänge, keine logische Abfolge, Irrationalität.
Aber was hilft uns diese Erklärung? Erst einmal beschreibt es sowohl die Situation, als auch das resultierende Gefühl daraus, und letzteres kann man nutzen, um sich als Person oder als Unternehmen so zu platzieren, dass man anders, positiv wahrgenommen wird. Zweitens kann man sich von dem Gedanken verabschieden, dass irgendwann "alles wieder gut wird". Wird es nicht. Zumindest nicht wie vor 10 Jahren oder so.
Stabilität ist das Zauberwort (ok, no shit, Sherlock) ..... aber wie?
Holt die Mitarbeiter ins Boot. Und zwar nicht, indem mit Entlassung gedroht wird, sollte die neue tolle "Initiative X" nichs bringen, sondern mit klarer und offener Kommunikation. Es wissen alle, dass die Situation nicht rosig ist, und genau das muss man auch akzeptieren. Menschen informieren sich über das Internet, ob ihr wollt, oder nicht. Und einige "Informationen" sind eber leider eher Manipulationen. Das kann man nur bekämpfen, indem man selbst transparent und offen über aktuelle Herausforderungen redet, gemeinsam überlegt, wie man sie angeht (und die Entscheidung kann durchaus von einem Management oder einem Kreise Menschen getroffen werden) und dann auch nachverfolgt, was die einzelnen Schritte bewirken (oder eben nicht), und nachsteuert. Verkauft eure Mitarbeiter nicht für blöd. Sonst werden sie gehen.
Holt die Kunden ins Boot. Ebenfalls mit transparenter und offener Kommunikation über die Schwierigkeiten und wie ihr sie gedenkt zu bekämpfen. Beredet Liefermodelle oder mögliche Zahlungsdifferenzen, oder was auch immer die Herausforderung ist. Und ich bin mir absolut sicher, dass auch eure Kunden echt gute Ideen haben werden, an die ihr selbst überhaupt noch nicht gedacht habt. Und versucht dann, eine realistische Vorhersage für euer Unternehmen zu treffen, die nicht auf herbeifantasierten Wachstumszielen beruht, sondern auf den Angaben, die ihr selbst für zutreffend haltet. Verkauft eure Kunden nicht für blöd. Sonst werden sie gehen.
Holt euch selbst ins Boot. Ja, auch ihr selbst braucht wieder mehr Stabilität, mehr Selbstvertrauen, dass die Situation zu meistern ist. Seht zu, dass ihr Nachrichten konsumiert - aber in Maßen. Seht zu, dass ihr die "richtigen" sozialen Medien konsumiert, also vielleicht nicht die von ganz rechts, oder von Tech-Oligarchen kontrollierten, die einzig dazu da sind, deren Geld zu mehren. Schaut über den Rand mal woanders hin. Schaut, dass ihr euch selbst Stabilität bringt mit Sport oder Familie oder Musik oder einem anderen Hobby, das nicht von der Weltlage abhängig ist und einfach ein Anker ist.
Nur wenn ihr selbst stabil seit, könnt ihr dieses Gefühl auch an andere vermitteln.
Und dann kann es gut werden. Situation akzeptieren. Vielleicht mal ein Jahr ohne Wachstum, so what? Seid der Anker für Menschen, Kunden, Lieferanten. Und ihr werdet sehen, es macht etwas aus.